Design

Was man vom aktuellen Instagram-Redesign lernen kann

Instagram startete im Oktober 2010 als Foto- und Video-App und ist heute als Microblog mit 300 Millionen Mitgliedern einer der wichtigsten Social Media-Kanäle.

Die von Kevin Systrom und Mike Krieger entwickelte Anwendung wurde 2012 von Facebook für den Preis von 1 Milliarde Dollar aufgekauft. Im Mai 2016 wurde die App einem Redesign unterzogen, welches in seiner Art und Weise deutlich macht, dass eine visuelle Überarbeitung gut überlegt und durchgeführt sein will. Im Falle von Instagram ist dies nicht gelungen.

instagram redesign
1. Bunt ist kein Differenzierungsfaktor

Das markante und für die Anwendung erlernte Icon musste einem simplifizierten, in seiner Farbigkeit generisch bunt wirkenden Icon Platz machen, welches an Prägnanz und Wiedererkennbarkeit nicht mit der bisherigen Bildmarke mithalten kann. Der zeitgeistige Einsatz von Farbverläufen ist unter Icons weit verbreitet. So verwendet Apple einen ähnlichen Verlauf für das App-Symbol für den iTunes-Store. Differenzierung kann so nicht stattfinden.

2. „Aalglatt“ hat keine Persönlichkeit

Der Farbverlauf scheint der Versuch zu sein, des auf Grund von Formensprache und Flat-Design unterkühlt wirkenden Icon noch irgendwie Persönlichkeit und Wärme einzutrichtern. Denn genau an Persönlichkeit fehlt es dem überarbeiteten Symbol. Den Charme des vorherigen im Retro-Look gehaltenen Icons sucht man in der Neuinterpretation vergeblich. Ein langfristiger Wiedererkennungswert kann so nicht gewährleistet werden.

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Instagram App Icon Family
3. Flexibilität kann überinterpretiert werden

Schaut man sich unabhängig vom App-Icon die weiteren Bausteine des Redesign an, so kann man sich zurecht fragen, ob innerhalb des Überarbeitungsprozesses wichtige Aspekte übersehen wurden. Der Einsatz der Farb- bzw. der einfarbigen Variante der Wortbildmarke beispielsweise lässt medienübergreifend keine klaren Vorgaben erkennen.

 

Zwar gibt es nach wie vor eine Kombination von Wort- und Bildmarke, diese erweist sich jedoch als unharmonisch da beide Elemente nicht aufeinander abgestimmt wurden. Die Form der Bildmarke (identisch mit dem neuen App-Symbol) will nicht zur Strichführung der Wortmarke, welche unverändert blieb, passen. Vielleicht wurden die beiden Elemente auch genau deswegen durch einen Trennstrich voneinander separiert.

4. Trennstriche trennen

Der neu eingeführte Trennstrich zwischen Wort- und Bildmarke ist völlig kontraproduktiv. Im Falle von Instagram trennt man, was eigentlich zusammengehört. Sowohl Wort- als auch die Bildmarke werden durch eine solch ungünstige Trennung geschwächt. Die Wortbildmarke scheint wie ein Konglomerat von Bausteinen, die einfach nicht zusammenpassen.

Fazit

Das Ergebnis lässt vermuten, dass eine erneute Überarbeitung bzw. Anpassung nicht lange auf sich warten lassen dürfte. Zu viele Aspekte bei diesem Redesign wirken zu unausgereift, sogar unüberlegt. Farbverläufe, reduzierte Formen und Flexibilität in Erscheinungsbildern haben ihre Berechtigung, eine willkürliche Anwendung aber schwächt eine Marke mehr als es ihr hilft. Gehen Charakter und Persönlichkeit verloren, bleibt wenig übrig womit sich die User identifizieren können. Der im Falle von Instagram auf das Redesign gefolgte Shitstorm ist daher wenig verwunderlich.

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Carsten Prenger ist geschäftsführender Gesellschafter der stay golden GmbH. Er liebt die Entwicklung visueller Erscheinungsbilder und ist ein großer Fan von CrossFit und Ausdauersport.

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