Design

Oldie but Goldie – vier zeitlose Logotypes

Viele unverwechselbare und weltweit bekannte Markensymbole, Bildzeichen und Logotypes (wir verwenden im folgenden der Einfachheit halber überwiegend den Begriff Zeichen) sind, entgegen ihrer handwerklichen Finesse, im Laufe der Jahre von der Bildfläche verschwunden.

Sei es, weil sie im Zuge von Veränderungen im Unternehmen durch neue Zeichen ersetzt wurden oder weil das Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage geriet und samt seiner Produkte vom Markt verschwand.  Es gibt jedoch Ausnahmen. Visuelle Widerstandskämpfer, die entgegen aller unternehmensinterner, soziodemografischer oder technischer Veränderungen heute noch (fast) unverändert in Verwendung sind. Getreu dem Motto: „oldie, but goldie“.

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ERCO GmbH

Das aus Lüdenscheid stammende Familienunternehmen wurde 1934 als Reininghaus & Co. gegründet. Die Abkürzung „R. & Co“ bildete die Grundlage für den heutigen Namen des Spezialisten für Architekturbeleuchtung.

Klaus Jürgen Maack, Schwiegersohn von Arnold Reininghaus, einem der Unternehmensgründer, stieg Mitte der 1960er Jahre in das Management des Unternehmens auf und war dort u.a. für die Kommunikation verantwortlich. Maack zeigte große Bewunderung für die umfangreiche Piktogrammwelt, welche der Designer Otl Aicher für die Olympischen Spiele von München 1972 entwickelte. Diese Bewunderung brachte die beiden im Herbst 1974 zusammen und man sprach über ein Redesign des Unternehmens. Dieses sollte später insbesondere durch ein neues Logotype und ein merkfähiges, typografisches System innerhalb der Kommunikation von ERCO Ausdruck finden. Aicher setzte die neue Wortmarke komplett in der von Adrian Frutiger entwickelten Schrift „Univers“. Er verwendete dabei für jeden der vier Buchstaben im Logotype einen anderen Schriftschnitt, wobei er das „o“ selber zeichnete weil er einen Schnitt benötigte, der dünner war als die gegebenen Schnitte der Univers. Diese Abstufung innerhalb der Buchstaben ist laut Aicher die visuelle Interpretation von Beleuchtung, dem Übergang von Licht zu Dunkelheit.

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Deutsche Bank AG

Insgesamt acht renommierte Designer erhielten 1973 die Ausschreibungsunterlagen für die Entwicklung einer neuen Corporate Identity für die Deutsche Bank. Das neue Auftreten sollte dem wachsenden Produktangebot und der zunehmenden internationalen Präsenz der Deutschen Bank Ausdruck verleihen. Die letztendliche Entscheidung sollte, laut Ausschreibung, am Ende nicht Vertreter der Bank treffen , sondern eine Jury welche zum größten Teil aus Designern, unter der Führung von Jupp Ernst, bestand.

Die Wahl fiel auf Anton Stankowski, ein aus Gelsenkirchen stammender Maler und Grafik-Designer. Sein Studio reichte insgesamt neun unterschiedliche Konzepte ein – unter ihnen jenes Konzept, welches später gewann und das minimalistische Zeichen (Schräge im Quadrat) beinhaltete, welches noch heute weltweit unverändert in Gebrauch ist. Der Öffentlichkeit wurde das neue Zeichen auf der Jahrespressekonferenz im April 1974 präsentiert. Stankowski sagte später, dass die öffentliche Reaktion auf das neue Zeichen zwar durchweg positiv war, die Bankangestellten selbst aber zwei Jahre gebraucht hätten, um es zu akzeptieren.

Seit 2010 steht das Bildzeichen ohne die Wortmarke „Deutsche Bank“ stärker denn je für sich allein.

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Zwilling J. A. Henckels AG

Das Zeichen der Zwilling J. A. Henckels AG aus Solingen besteht in seiner ursprünglichen Form schon seit 1731 und ist eines der ältesten Unternehmenszeichen der Welt. Eine Normierung der Abmessungen des Zeichens erfolgte in den 1930er Jahren, daraus resultierte dann 1969 die Version, die wir bis heute in Verwendung sehen. Das Bildzeichen des renommierten Klingenherstellers wurde nicht etwa von einem Designer entwickelt, sondern vom Solinger Messerschmied Peter Henckels, der den Zwilling im Juni 1731 (also im Sternzeichen Zwilling) als Handwerkszeichen in die Solinger Messermacherrolle eintragen ließ. Das Zeichen ist heute in über 100 Ländern der Welt rechtlich geschützt.

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Deutsche Lufthansa AG

Das ursprüngliche Bildzeichen der Lufthansa, ein nach links aufsteigender Kranich, stammt von dem Grafiker und Architekten Otto Firle, der diesen 1918 als Werbeleiter der DLR (Deutsche Luft-Reederei) entwarf. Der aufsteigende Kranich soll, laut Firle, für den Auftrieb der Lufthansa stehen. Als die Lufthansa nach dem zweiten Weltkrieg ihren Betrieb wieder aufnahm, gab es kein einheitliches Design für die Fluglinie. Man entschied sich unter dem Namen „Projekt 1400“ für die Entwicklung eines ganzheitlichen Erscheinungsbildes. Für dieses Unterfangen engagierte die Lufthansa Otl Aicher. Er überarbeitete in den 1960er Jahren das ursprüngliche Zeichen von Otto Firle zu dem Bildzeichen, welches nunmehr seit über 50 Jahren unverändert auf allen Flugzeugen der Fluglinien zu sehen ist. Durch Aicher erhielt der Kranich einen Kreis und auch die Farben des Zeichens wurden leicht geändert: Das Gelb wurde wärmer, das Blau dunkler. Seit mehr als fünfzig Jahren ist dieses Zeichen fester Bestandteil aller Leitwerke der Lufthansa-Flugzeuge.

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Carsten Prenger ist geschäftsführender Gesellschafter der stay golden GmbH. Neben der Entwicklung visueller Erscheinungsbilder oder dem Schreiben an Artikeln für Matter of Design betreibt er gerne Fitness- und Ausdauersport.

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